Hilfe in der Fremde

Schöppingen - Fernab der Heimat, oft allein, manchmal traumatisiert: Um asylsuchende Mütter in Not aus der Unterkunft in Schöppingen kümmern sich die Soroptimistinnen Coesfeld 

 

Westfälische Nachrichten, 16.02.2013

Von Anne Alichmann


Eigentlich sollte sie nur kurz beim Übersetzen helfen. Petra Fietzek war gerade zu einem Besuch im
Coesfelder Vincenz-Hospital, als die Seelsorgerin des Hauses sie bat, als Dolmetscherin einzuspringen. Eine Patientin aus Schwarzafrika sprach nur Französisch, und da haperte es mit der Verständigung. Die Schriftstellerin erfüllte den Wunsch gerne – und wurde dabei auf das Schicksal der fremden Frau aufmerksam. Die war aus der Asylbewerberunterkunft in Schöppingen in das Krankenhaus gebracht worden, um dort ein Kind zu entbinden. Wie viele andere asylsuchende Schwangere oder Wöchnerinnen war sie alleine, fern der Heimat und ohne seelische Unterstützung.

Hilfsprojekt geboren

Über die Begegnung mit der Flüchtlingsfrau sprach Petra Fietzek mit ihren Clubschwestern – denn sie
ist Mitglied bei den Soroptimistinnen Coesfeld. Schnell entschloss sich die ganze Gruppe, längerfristig
Unterstützung zu leisten: Das Hilfsprojekt „Asylsuchende Mütter in Not“ war geboren.
Das ist inzwischen fast acht Jahre her, und seitdem begleitet der Club regelmäßig Frauen aus der
Unterkunft, die in Coesfeld entbinden. Dabei steht er in engem Kontakt mit der Sanitätsstation in
Schöppingen und der Seelsorgerin des Vincenz-Hospitals. Die Clubmitglieder besuchen die Patientinnen im Krankenhaus, bringen als kleine Geste ein Päckchen mit einer Decke, Spielzeug oder Kleidung für das Baby mit.

Traumatisierende Erfahrungen

In der Regel erfahren die Helferinnen nicht viel über die Lebensgeschichten der Frauen. Warum sie aus
ihrer Heimat weggegangen sind, aus welchen Gründen sie nach Deutschland gekommen sind – darüber reden sie kaum. „Das respektieren wir auch, wir sehen das ganz wertneutral“, sagt Clubmitglied Marie-Theres Gilbeau. „Falls doch mal eine Frau über ihre Erlebnisse spricht, ist das meistens sehr erschütternd, und das trägt man dann lange mit sich herum.“ Oft hätten die Asylbewerberinnen in ihrer Vergangenheit auch traumatisierende Erfahrungen mit sexueller Gewalt, Prostitution,Genitalverstümmelung oder mit Menschenhandel gemacht.
In den meisten Fällen bleibt es bei einem Treffen. Etwa drei Tage nach der Geburt kommen die Frauen
zurück auf die Sanitätsstation der Einrichtung in Schöppingen, bei einem Kaiserschnitt sind es ungefähr
fünf Tage. Manchmal unterstützen die Clubschwestern eine Frau auch länger. Christina Lux erinnert sich zum Beispiel an eine Nigerianerin, die ein Frühchen zur Welt brachte und länger mit ihrem Kind in der Klinik bleiben musste. Etwa acht Wochen lang kamen die Soroptimistinnen immer wieder ins
Krankenhaus, redeten mit der Frau, gingen mit ihr spazieren. „Man konnte richtig sehen, wie das Kind
mit der Zeit größer wurde“, erzählt Lux.

300 Frauen besucht

Viele Mütter nehmen die Hilfe des Clubs gerne an und sind froh, aber nicht immer schlägt den
Coesfelderinnen große Dankbarkeit entgegen. Oft habe das wohl damit zu tun, dass die
Asylbewerberinnen die Hilfsangebote nicht richtig einordnen könnten, erklärt Ingo Ochtrup, Leiter der
Einrichtung in Schöppingen: „Viele Frauen haben auf ihrer Reise hierher viel erlebt, und ihnen fällt es
schwer, Vertrauen zu Fremden zu fassen. Zumal sie meistens nur sehr kurz hier sind.“
Etwa 300 asylsuchende Frauen haben die Soroptimistinnen in sieben Jahren besucht. „Und wir wollen
auf jeden Fall weitermachen“, sind sich die Clubmitglieder einig. Die Soroptimistinnen planen sogar, die
Unterstützung auszubauen. „Als nächstes wollen wir etwas im Bereich Bildung für Asylsuchende machen".

 

Vor Ort auf dem Schöppinger Berg (von links) Marie-Theres Gilbeau, Dr. Christina Lux, Lore
Schorn, Maria Terhaar, Martina Schönberg (Sanitätsstation), Lisa Tigges und
Einrichtungsleiter Ingo Ochtrup. Foto: Anne Alichmann


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